Die Europäische Gottesanbeterin ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Vertreterin der mehr als 2.300 Arten umfassenden Ordnung Mantodea (Fangschrecken). In Deutschland ist sie in der "Roten Liste der Geradflügler" (Status Deutschland nach INGRISCH & KÖHLER 1998) (rote Liste) in die Kategorie 3 ("gefährdet") eingruppiert und genießt nach den Bestimmungen des Bundes-Naturschutz-Gesetzes (BNatSchG) in Verbindung mit der Bundes-Artenschutz-Verordnung (BArtSchV) besonderen Schutz. Deshalb darf sie u. a. weder gefangen noch gehalten werden.

Weibchen können bis 7,5 cm lang werden, die Männchen sind deutlich kleiner und erreichen eine Länge bis zu 6 cm. Die Grundfärbung reicht von zartgrün bis braun, an der Basis der Vorderhüften befindet sich ein schwarzer Fleck, der in der Abwehrhaltung als augenähnliche Zeichnung gezeigt wird (Mimikry). Die unterschiedlichen Färbungsvarianten sind teilweise erblich bedingt, entstehen aber auch nach den einzelnen Häutungen als Anpassung an die Umgebung.

Auffallend ist der verlängerte Halsschild und der große, dreieckige, sehr bewegliche Kopf. Während die beiden hinteren Beinpaare als Schreitbeine gestaltet sind, sind die Vorderbeine zu Fangbeinen umgebildet. Femur und Tibia sind mit Dornen zum Festhalten der Beute besetzt.

Im Mittelmeerraum besiedelt die Gottesanbeterin viele unterschiedliche Lebensräume, in Mitteleuropa ist sie dagegen auf ausgesprochene Wärmeinseln beschränkt. Die Bindung an Wärmegebiete ist bedingt durch das notwendige Beuteangebot der Larven im Frühjahr, die Eier können dagegen in Steppengebieten auch Winter mit sehr hohen Minustemperaturen überstehen.

Die Larven schlüpfen im Mai/Juni, bereits Ende Juli/Anfang August sind die erwachsenen Tiere anzutreffen. Erst 14 Tage nach der Imaginalhäutung werden die Tiere geschlechtsreif. Die weitverbreitete Ansicht, das Weibchen der Gottesanbeterin würde während oder nach der Paarung das Männchen auffressen, ist nach neuerer Erkenntnis nicht zutreffend. Entsprechende Beobachtungen wurden nur bei Tieren in Gefangenschaft gemacht und sind wahrscheinlich auf Ernährungsmängel und die räumliche Nähe der Tiere zurückzuführen (ausgeschlüpfte Jungtiere beginnen in Gefangenschaft nach ca. 2-3 Tagen, sich gegenseitig anzufallen). Im Freiland tritt dagegen kein Kannibalismus auf. Die Eier werden in einem Kokon, der sogenannten Oothek abgelegt, es handelt sich dabei um eine Schutzhülle aus einer schnell erhärtenden Schaummasse, die meist 60–70 Eier enthält. Im Herbst verenden die Tiere, die Eier überwintern in den gut isolierenden Ootheken.